Morgen

Morgen werde ich ihn wiedersehen und schon jetzt schlägt mein Herz bis zum Hals. Er ist so wunderbar.

Er verzaubert mich auf eine so seltsam schöne Art und Weise, dass ich Angst bekomme, es sei zu spät und ich würde nie wieder ohne sein Spiel vor Augen durch die Weltgeschichte spazieren können.

Wenn er spielt, dann ist er umgeben von einem süßen Dunst, einem Hauch, einer goldenen Aura, die ihn zu dem perfekten Menschen macht. Darüber vergesse ich all den Schmerz, ich vergesse all meine Verzweiflung und fühle mich ihm so nah. Er erreicht mich überall. Selbst wenn ich seinem Spiel nur aus der Ferne lausche, weiß ich, wie er atmet, wie seine schlanken Finger über die Tasten huschen, wie er duftet, wie er die Augen schließt und jeden Ton spürt. In diesem Moment fühlt es sich an, als seien wir eins, ein Geist, verloren in den endlosen Weiten der Musik und in leeren Gedanken.

Sein Spiel verstummt und ich weiß: es war nur Einbildung.

Und dennoch bin ich glücklich über jeden Moment, in dem ich diese Nähe zu ihm spüre. Denn es brennt sich in mein Gedächtnis, wie er bei jeder ironischen Wendung im Stück verschmitzt lächelt...wie er die Musik lebt, die er erschafft, in eben dem Moment.

Doch die Zeit vergeht im Flug.

Vielleicht ist er der einzig Wahre. Doch ist er das auch, wenn es ihm mit mir nicht so geht? Wenn ich für ihn nur ein Ohr unter vielen anderen Zuhörern bin?

16.8.08 22:01

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